Arbeitskreis Digitale Gesellschaft

SPD Schleswig-Holstein

20. Dezember 2010

Allgemein
GB: Pornos bald nur noch auf Antrag

Oft wird in Diskussionen der Eindruck erweckt, die deutsche Politik stelle sich besonders unbeholfen im Umgang mit dem Internet an. Wenig ist dagegen über die Debatten in anderen Ländern bekannt. In Großbritannien wird derzeit offenbar ein Opt-In-Verfahren für die Übertragung von Pornografie im Internet diskutiert. Erwachsene müssten dann den Zugang zu erotischen Inhalten beantragen.

Besonders engagiert ist die konservative Parlamentsabgeordnete Claire Perry. Sie sagt:

"It is time treat the internet the same way as all other media."

Begründet wird das Blockieren mit verschiedenen Argumenten: Zum Einen führe die stärkere mediale Konvergenz dazu, dass mehr und mehr Internet-Inhalte auf klassischen Fernsehern zu "empfangen" seien. Zum Anderen werden Statistiken über den Pornografiekonsum von Kindern sowie einzelne krasse Fälle von sexualisierter Gewalt unter Kindern herausgezogen. Außerdem sollen Internetnutzer davor bewahrt werden, aus Versehen über pädokriminelle Inhalte zu stolpern.

Wie genau das Opt-In-Verfahren funktionieren und vor allem wie es technisch umgesetzt werden soll, ist noch klar. Zur Zeit spricht man aber vor allem über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Internetzugangsanbieter (ISP) Inhalte zu sperren oder nur altersklassifiziert zu übertragen. Gesetze soll es nur geben, wenn die Selbstregulierung nicht greift.

Viele der Argumente und der vorgeschlagenen Lösungsansätze erinnern an die Diskussion in Deutschland. Die Alterseinstufung obliegt allerdings nicht den Website-Betreibern, wie es in unserem JMStV geplant war, sondern den ISPs. Wie das für die Vielfalt im Internet funktionieren soll, bleibt offen. Der britische ISP TalkTalk will allerdings ein entsprechendes Angebot bereits ab Anfang 2011 anbieten.

Vielleicht wäre es tatsächlich ein Ansatz speziell für Eltern einen gefilterten Internetzugang zumindest für Kinder anzubieten. Wer dann keine Zeit oder Lust hat, seine Kinder beim Surfen zu begleiten, kann sich dann einen Extra "Kindernet" Zugang buchen, der vielleicht auf einem gecrowdsourcten Whitelist-System basiert. Da könnten dann die Eltern selbst den Katalog freier Seiten mitgestalten. 

Das Ziel von Claire Perry ist aber nicht der abstrakte Schutz von Kindern, sondern ein klassisch konservatives:

"It is time to regulate the provision of internet services in this country, implement an age verifying opt-in system and switch the default setting for internet pornography in our homes to OFF."

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