Arbeitskreis Digitale Gesellschaft

SPD Schleswig-Holstein

27. Mai 2014

SPD
Ein SPD‐​Programm für die digitale Gesellschaft

Symbolbild | Foto: Sebastien Wiertz - CC BY 2.0

Der SPD‐​Parteivorstand hat am Mon­tag mit einem „Pro­gramm für die Digi­ta­le Gesell­schaft“ einen Pro­zess ein­ge­lei­tet, in dem die SPD sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Ant­wor­ten auf die Her­aus­for­de­rung der welt­weit ver­netz­ten Gesell­schaft fin­den will. Ein Jahr lang bis zum ordent­li­chen SPD‐​Bundesparteitag im Dezem­ber 2015 nimmt sich die Par­tei dafür Zeit und betreibt eini­ges an Auf­wand. Feder­füh­rend bei dem Pro­zess sind Gesche Joost und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Lars Kling­beil.

In einem Inter­view mit spd.de erklä­ren die bei­den, wor­um es bei dem Pro­jekt geht:

„Das ist ein gemein­sa­mer Pro­zess, in dem wir ein Zukunfts­pro­gramm der Par­tei ent­wi­ckeln möch­ten – und zwar ein Pro­gramm zur digi­ta­len Gesell­schaft von mor­gen. Die Digi­ta­li­sie­rung ist ein rie­si­ger Umbruch, der vie­le Chan­cen für unse­re Gesell­schaft bie­tet, wenn wir poli­tisch die rich­ti­gen Wei­chen stel­len. Der Pro­zess soll alle mit ins Boot holen — vom Orts­ver­ein bis zum Par­tei­vor­stand, vom Nerd bis zum Technik‐​Skeptiker, vom Älte­ren bis zum Teen­ager. Teil­ha­be ist unser Grund­satz, der durch offe­ne Pro­zes­se und Ver­net­zung gelebt wer­den soll.“

Im Wort­laut heißt es in dem Papier:

Ein SPD‐​Programm für die digitale Gesellschaft

A. Zie­le und poli­ti­sche Bot­schaft

Ein sozi­al­de­mo­kra­ti­sches Pro­gramm für die „digi­ta­le Zukunft“ will sich der Her­aus­for­de­rung stel­len, auch eine welt­weit ver­netz­te Gesell­schaft auf die uni­ver­sel­len Wer­te der Sozi­al­de­mo­kra­tie aus­zu­rich­ten: auf Frei­heit, Gleich­heit, Soli­da­ri­tät und Gerech­tig­keit.

Hier­durch stel­len sich neue Fra­gen: Wel­che wirt­schaft­li­chen, sozia­len, poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Chan­cen eröff­nen sich durch die Digi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung? Wie sichern wir die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­rer Wirt­schaft im Zeit­al­ter der digi­ta­len Öko­no­mie, wenn die Trei­ber der Digi­ta­li­sie­rung fast voll­stän­dig aus den USA und nicht mehr aus Deutsch­land oder Euro­pa stam­men? Wie ver­än­dern sich die Arbeits­pro­zes­se und die Arbeits­wel­ten im Rah­men der Ver­schmel­zung klas­si­scher indus­tri­el­ler Pro­duk­ti­on mit den ver­netz­ten Informations‐ und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en?

Und viel­leicht die wich­tigs­te Fra­ge: Wie sichern wir die Frei­heit, die Per­sön­lich­keits­rech­te und die Mei­nungs­viel­falt ange­sichts von Über­wa­chung im Netz und exten­si­ver Daten­samm­lung durch inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne und Nach­rich­ten­diens­te? Die Vor­tei­le der Nut­zung ver­netz­ter Daten müs­sen wir mit den Bür­ger­rech­ten und den Wer­ten des offe­nen und frei­en Inter­nets in Ein­klang brin­gen.

Die Ide­en­ge­schich­te der Sozi­al­de­mo­kra­tie befass­te sich immer schon mit den Fra­gen des gegen­wär­ti­gen und künf­ti­gen Zusam­men­le­bens der Men­schen. Nicht nur als Par­tei der Arbeit, son­dern auch als die Par­tei der Frei­heit, der Demo­kra­tie und auch der kul­tu­rel­len Viel­falt ist sie auf­ge­for­dert, sich die­sen Fra­gen offen­siv zu stel­len und ihren poli­ti­schen Gestal­tungs­an­spruch zu über­prü­fen und ggf. neu aus­zu­rich­ten.

Die SPD muss dafür in einem mög­lichst brei­ten und nicht auf die SPD beschränk­ten Dia­log die gesell­schaft­li­chen Zie­le defi­nie­ren, die in einer ver­netz­ten Welt in unse­rem Land, in Euro­pa und viel­leicht sogar dar­über hin­aus erreicht wer­den sol­len. Teil­ha­be der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger an die­sem Dia­log ist dabei grund­le­gend. Des­halb wol­len wir Grund­sät­ze, Ide­en und Durch­set­zungs­stra­te­gi­en für die digi­ta­le Zukunft unse­res Lan­des erar­bei­ten und gemein­sam for­mu­lie­ren.

B. Schwer­punk­te des SPD‐​Programms für die digi­ta­le Gesell­schaft

  1. Digi­ta­le Wirt­schaft & Infra­struk­tur:
    • Indus­trie 4.0
    • IT‐​Sicherheit
    • Breit­band­aus­bau und intel­li­gen­te Net­ze
    • Grün­dun­gen und Startup‐​Förderung
    • Krea­tiv­wirt­schaft
    • Fach­kräf­te (eSkills, Zuwan­de­rung)
  2. Gute Digi­ta­le Arbeit
    • Arbeits­ver­dich­tung und intern. Arbeits­tei­lung
    • neue Arbeits­pro­fi­le und Qua­li­fi­ka­tio­nen
    • neue For­men betrieb­li­cher Mit­be­stim­mung
    • Ver­ein­bar­keit Fami­lie und Beruf
    • Digi­ta­ler Arbeits­schutz (Beschäf­tig­ten­da­ten­schutz)
    • Sozia­le Siche­rung
  3. Digi­ta­ler Staat: Frei­heit, Sicher­heit und Ver­trau­en
    • offe­ne poli­ti­sche Pro­zes­se
    • Schutz der Pri­vat­sphä­re
    • Infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung
    • Chan­cen und Risi­ken von Big Data
  4. Digi­ta­le Bil­dung und Teil­ha­be
    • Mög­lich­kei­ten der Bür­ger­be­tei­li­gung
    • Aus­wir­kun­gen auf die Bil­dungs­po­li­tik
    • Ver­netz­te Bil­dungs­an­ge­bo­te und MINT‐​Förderung
    • Gestal­tung des Lebens­um­fel­des, ins­bes. f. Älte­re
  5. Digi­ta­le Agen­da für Fami­li­en
    • Gutes Auf­wach­sen mit Medi­en: Medi­en­er­zie­hung, Eltern­kom­pe­tenz stär­ken
    • Digi­ta­le Selbst­stän­dig­keit: Ori­en­tie­rung und Rat im Netz von und mit Kin­dern und Jugend­li­chen
    • Safe­ty by Design: Jugend­schutz ab Werk
    • Bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf: tech­nik­un­ter­stüt­zen­de Dienst­leis­tun­gen
    • Genera­tio­nen­ge­rech­te digi­ta­le Teil­ha­be
  6. Digi­ta­le Öffent­lich­keit
    • Zukunft der Medi­en­ord­nung
    • Platt­for­men und Inter­me­diä­re (Suchmaschinen/​Social Media/​Commerce‐​Plattformen)
    • Media Gover­nan­ce
    • Neue Geschäfts­mo­del­le

Der Pro­gramm­pro­zess

Um die Erar­bei­tung des Pro­gramms auf eine brei­te Basis zu stel­len, müs­sen die unter­schied­li­chen Akteu­re, vom Orts­ver­ein bis hin zur Par­tei­spit­ze, vom „Nerd“ bis zum Technologie‐​Skeptiker, mit ein­be­zo­gen wer­den. Es geht glei­cher­ma­ßen um Teil­nah­me und Teil­ha­be.

Gleich­zei­tig muss der Pro­gramm­pro­zess selbst– bis hin zur Gestal­tung des Pro­gramm­par­tei­tags im Herbst 2015 – die erwei­ter­ten Chan­cen zur poli­ti­schen Par­ti­zi­pa­ti­on durch das Inter­net auch wider­spie­geln. Eine der ers­ten Auf­ga­ben des zu bil­den­den Pro­gramm­bei­rats wird es des­halb sein, die Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten und den inner­par­tei­li­chen demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dungs­pro­zess zu struk­tu­rie­ren.

Unter­schied­li­che Ver­an­stal­tungs­for­ma­te struk­tu­rie­ren und beglei­ten den Pro­zess, z.B. zu Urhe­ber­recht und Daten­schutz, Digi­ta­ler Arbeit, Digi­ta­ler Wirt­schaft, Digi­ta­lem Ler­nen und Medi­en­päd­ago­gik, sowie zu Außen­wirt­schaft und Cyber‐​Außenpolitik. Ver­an­stal­tun­gen rund um die Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt soll­ten u.a. mit den Gewerk­schaf­ten durch­ge­führt wer­den. Ziel­grup­pen­ver­an­stal­tun­gen soll­ten sich an alle Genera­tio­nen glei­cher­ma­ßen rich­ten und in ganz Deutsch­land und auf allen Ebe­nen der Par­tei statt­fin­den.

C. Der Pro­gramm­bei­rat

Zur Steue­rung des Pro­gramm­pro­zes­ses wird ein Pro­gramm­bei­rat gebil­det aus:

  1. drei Mit­glie­dern des Par­tei­vor­stands (Olaf Scholz, Ute Vogt, Thors­ten Schäfer‐​Gümbel)
  2. je zwei Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Landes‐ und Bezirks­ver­bän­de
  3. drei Vertreter/​innen der SPD‐​Bundestagsfraktion
  4. exter­nen Vertretern/​innen
  5. Ver­tre­tern von Think Tanks und netz­po­li­ti­schen Arbeits­struk­tu­ren in der SPD
  6. Lei­te­rin­nen der Abtei­lun­gen I, II und III des WBH

Der Pro­gramm­bei­rat wird gelei­tet von einem Steue­rungs­kreis:

  • Gesche Joost, Pro­fes­so­rin an der Uni­ver­si­tät der Küns­te Ber­lin für das Fach­ge­biet Design­for­schung, Lei­te­rin des Design Rese­arch Lab, „Digi­tal Cham­pi­on“ (Inter­net­bot­schaf­te­rin der Bun­des­re­gie­rung); (Pro­jekt­lei­tung)
  • Lars Kling­beil, MdB, netz­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD‐​Bundestagsfraktion (Pro­jekt­lei­tung)
  • Yas­min Fahi­mi, Gene­ral­se­kre­tä­rin
  • Bri­git­te Zypries, Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie sowie Koor­di­na­to­rin des BMWi für die „Digi­ta­le Agen­da der Bun­des­re­gie­rung“

D. Ers­ter Zeit­plan

  • April 2014: Beschluss­fas­sung des SPD‐​Parteivorstandes
  • April 2014‐​Juli 2014: Vor­be­rei­tungs­pha­se
  • 3. Quar­tal: Start Ver­an­stal­tun­gen
  • 3. Quar­tal: ers­tes Tref­fen des Pro­gramm­bei­rats
  • 20. Sept 2014: Par­tei­kon­vent
  • Sept – Dez 2014: 10 Fra­gen an 100 Köp­fe
  • März 2015: zwei­tes Tref­fen des Pro­gramm­bei­rats
  • Juni 2015: Zwi­schen­be­richt PV
  • Okt 2015: drit­tes Tref­fen des Pro­gramm­bei­rats
  • Dez 2015: ordent­li­cher Par­tei­tag, Abschluss­be­richt

Steffen Voß

Arbei­tet als Online‐​/​Social‐​Media‐​Referent bei der SPD Schleswig‐​Holstein und ist hier als Mit­glied des Arbeits­krei­ses Digi­ta­le Gesell­schaft der SPD Schleswig‐​Holstein als ehren­amt­li­cher Admin erreich­bar. Alle Mei­nungs­äu­ße­run­gen sind pri­vat.

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2 Kommentare

  1. Bernd Trumpfheller sagt:

    Hal­lo lie­be Genos­sin­nen und Genos­sen ,

    wie soll das Nicht­an­wor­ten auf Anlie­gen , Digi­tal erfol­gen.?
    stellt doch jeder ins Netz.
    Grü­ße
    Genos­se
    Bernd

  2. […] Män­nern bestimmt wird. Mein Fazit: Hut ab vor die­ser sym­pa­thi­schen Frau. Mit der Beglei­tung des Arbeits­krei­ses Digi­ta­le Gesell­schaft kommt ihr vor­aus­sicht­lich eine weit­rei­chen­de Rol­le in der poli­ti­schen Steue­rung und […]

  3. […] der schließ­lich in einen Par­tei­tags­be­schluss mün­den wird. Grund­la­ge des Pro­zes­ses ist ein Beschluss der SPD‐​Parteivorstands (Hin­ter­grund: Inter­view auf spd.de). Ein Groß­teil der Bera­tun­gen fin­det in einem neu […]

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